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Matthias ist ein männlicher Name, eine
Kurzform des biblischen Namens Mattathias (griechisch) bzw. Mattithiah
(hebräisch), der "Geschenk Gottes" oder "Geschenk
des Herrn" bedeutet.
Fälschlicherweise wird der Name Matthias auch oft mit Matthäus in
Verbindung gebracht. Matthäus stammt aber vom griechischen Namen Maththaíos
ab. Diese Unterscheidung zwischen Matthias und Matthäus gibt es jedoch nicht in
jeder Sprache. So werden zum Beispiel Matthias und Matthäus im Englischen
einheitlich mit Matthew übersetzt.
Zu dem Namen Matthias gibt es verschiedene Varianten :
deutsch: Matthias, Mathias,
Mattias, Matias, Mathis, Mattheis, Heis, Matthes, Mattes, Mades
Kurzformen: Mat, Matz, Matze, Matzi, Mattes, Matti, Mattse, Mati, Maeti,
Thias, Atze, Moartl, Hiasi, Hias, Hiasl
bayrische und österreichische Kurzformen: Hias, Hiasei, Hiesl
schweizerdeutsche Kurzformen: Mäthu, Mätthu, Mätu, Mäthi, Mätthi,
Mätti, Mätzler, Tisu, This, Tisi, Ti
niederländisch: Mathijs, Mattijs
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Bauernregeln und Bräuche
Auch als Wetterheiliger hat '''Matthias''' Bedeutung. Am 24. Februar, dem
Matthias-Tag, gilt u.a die Regel: "St. Mattheis wirft einen heißen Stein ins
Eis" und gilt als Vorbote des nahenden Frühlings.
Diese Regel beruht auf einer Legende um die Reliquien des Heiligen. Am 24.
Februar 1100 prozessierte man mit dem silbernen Reliquiengefäß rund um Goslar.
Ein Räuber wollte das kostbare Gefäß stehlen, doch warfen seine Träger es rasch
auf das Eis des zugefrorenen Stadtgrabens, wo das Metall — als sei es glühend —
durch das Eis schmolz und in Sicherheit war.
Einige weitere bekannte Bauernregeln sind:
Besondere Bräuche in der Matthias-Nacht wie Liebes- und Todesorakel (in Bezug auf die Wahl des Apostels durch Los) sowie das Graben nach und Vergraben von Schätzen sind seit dem 16. Jahrhundert im Rheinland nachweisbar.
Ein beliebtes Krankheitsorakel war in der Matthias-Nacht Efeublätter in eine mit Wasser gefüllte Schüssel zu legen. War ein Blatt am Morgen durchweicht, so bedeutete dies Krankheit.
Um den Heiligen Matthias haben sich einige Gruppierungen und Bruderschaften gebildet. Neben der Diözese Trier, die Matthias als Diözesanpatron verehrt, und wo Wallfahrten zu seinem Grab sowie Matthias-Bruderschaften von seinem hohen Ansehen zeugen, bilden die Städte Aachen, Goslar, Hannover und Hildesheim Zentren des Matthias-Kults. Diesbezüglich wurde auch diverses Liedgut zu dem Hl. Apostel Matthias geschaffen. Bei einigen Pilgerreisen zu Ehren des hl. Matthias werden sogar Matthias-Münzen ausgegeben ("Matthiarius") s.u.
1. Zu der Apostel Zahl gesellt durch heil'ge
Wahl Matthias, Gotteszeuge.
Jetzt an des Höchsten Thron, hilfreicher Schutzpatron, zu uns dich niederbeuge.
Das ganze Land hebt Herz und Hand empor zu dir vertrauend.
2. Der Herr, zu dessen Ruhm du littst das
Martertum, versagt dir keine Bitte;
dein heil'ger Leib nun ruht als unschätzbares Gut verehrt in unsrer Mitte.
Dies teure Pfand schütz Leut' und Land, den Hirten und die Herde!
3. O Stern, der neuen Glanz gießt auf der Jünger
Kranz, die treu zu Jesus stehen.
O Kirchensäule hehr, fest wie der Fels im Meer, wie auch die Stürme wehen.
Die Kirche stütz, den Glauben schütz, gib Trost und Mut den Schwachen!
4. Erfleh' von Jesus Christ, was uns zum Heile
ist im Leben und im Sterben,
dass unserm Gott allein, wir Leib und Seele weih'n, den Himmel uns erwerben!
O bleib uns hold! Des Dankes Sold dir zollen alle Herzen.
5. Der Herr, dem du gedient, der unsre Schuld
gesühnt, für uns sich hingegeben,
er hat dich ausgesandt, zu künden allem Land: "Ihr seid befreit zum Leben!"
Trag Gottes Wort an jeden Ort, dass Frieden werd' auf Erden.
6. Gott schuf durch seine Wahl nach der zwölf
Stämme Zahl den Kreis der Zwölf aufs Neue.
Was Menschenschuld zerbrach, er trägt es uns nicht nach, bewahrt uns stets die
Treue.
Wir sind in Schuld; bitt' Gott um Huld, dass eins sei Christi Herde!
7. Nun bist du, Christi Freund, auf ewig ihm
vereint, dem du gefolgt im Leide.
Wenn er am Ziel der Zeit erscheint in Herrlichkeit und alles ruft zur Freude:
dann tritt hervor, mach weit das Tor, dass Gottes Reich wir erben.
Text: vermutlich Johann Baptist Berger
Matthias, Apostel, Ersatz und Vertreter
für Judas, der aufgab, den Hoffnungsverräter,
dein Los ist kein Zufall, ist weise ersonnen.
Du nahmst es von Gott und hast alles gewonnen.
Matthias, die Wahl ist ein Zeichen gewesen,
doch spät lehrte Gott dich, die Botschaft zu lesen.
Dein Los ist kein Zufall, ist weise ersonnen.
Du nahmst es von Gott und hast alles gewonnen.
Matthias, die Würde schien strahlend und herrlich,
der Weg wurde mühsam, gekrümmt und gefährlich.
Dein Los ist kein Zufall, ist weise ersonnen.
Du nahmst es von Gott und hast alles gewonnen.
Matthias, du wähltest, was Gott für dich plante,
die Straße des Lebens, die Christus dir bahnte.
Stärk unser Vertrauen, wenn Gott an uns handelt,
der Wunden und Tränen in Perlen verwandelt.
zugehörig zur Hintergrundmusik © Peter Gerloff
Matthias-Münze (zu Ehren des Apostels Matthias)
In Goslar wurde zu Ehren des Heiligen Apostels
Matthias eine Matthias-Münze aus Harzsilber, die sogenannte '''Matthiarius''',
geprägt. Der Ursprung liegt wohl im Mittelalter. 1050 wurden die Reliquien des
hl.Matthias in Trier erhoben. Wallfahrten nach dort und das Entstehen vieler
Bruderschaften zu Ehren dieses Heiligen waren damals die Regel. Die Verehrung
des Hl. Matthias bei den Bergleuten war damals weit verbreitet und so kam es,
dass einige Bergleute in Goslar in Verehrung dieses Heiligen einen
Silbergroschen den ' Matthiarius ' prägen ließen.
Aus dem ''Matthiarius'' entwickelte sich ein Zahlungsmittel, der so genannte
'''Matthiasgroschen'''. Der Matthiasgroschen wurde im weiteren Sinn eine
Bezeichnung für alle Groschenmünzen, die das Bild des Apostels Matthias
aufweisen. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts waren die Pfennigmünzen im
Silbergehalt und im Wert so weit abgesunken, dass sich die Stadt Goslar
und das Bistum Hildesheim entschlossen, dem Beispiel anderer Münzstände
zu folgen und ihrerseits ''Groschen'' auszuprägen. Sie einigten sich im Jahr
1410 auf die Prägung eines Gemeinschaftsgroschens, der auf der Vorderseite den
Schild des Stiftes und das Hoyaer Wappen des Bischofs, auf der Rückseite den hl.
Matthias zeigt. Daneben gab es im 15./16. Jh. auch noch Brakteaten,
dünne, einseitig beprägte Pfennige mit dem Bild des hl. Matthias.
Die im engeren Sinn als Matthiasgroschen oder ursprünglich Goslarische neue
Mathiasser bezeichnete Silbermünze entstand erst im Jahr 1496. Sie zeigt auf
der Vorderseite den Goslarer Adler, auf der Rückseite den hl. Matthias mit
Schwert und Buch. Sie wurde auch von anderen Münzständen nachgeahmt und verlor
das ursprüngliche Münzbild (St. Matthias).
Bei zunehmender Verschlechterung seines Silbergehalts entwickelte sich der Matthiasgroschen zum Teilstück des Mariengroschens. In Lippe wurde er eine Zeit lang zu einem Drittel des Fürstengroschens und zu einem halben Mariengroschen gerechnet. Später wurde er sogar zu 1/6 und 1/12 Mariengroschen gerechnet.
Die im 17. Jh. geprägten Stücke hatten einen Wert von 4 Pfennigen, wie die 1624 und 1629 unter ''Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel'' (1613-1634) geprägten Groschen, die auf der Vorderseite das Monogramm des Fürsten (F in V), auf der Rückseite die Schrift IN MATIER zeigen. Der '''Mattier''' mit dem Braunschweiger Löwen auf der Vorderseite und der Schrift 'I MATTIR zeigt das Datum 1647 auf der Rückseite.
Die Stadt Hildesheim emittierte 1663 und 1666
Billonmünzen mit der Umschrift ''MO. NO. CIVIT. HILDES'' (Neues Geld der Stadt
Hildesheim). Eine Ausgabe ließ Johann Friedrich von Calenberg 1675 prägen,
ferner Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1640-1688) nach 1644 für
Ravensberg.
Interessant ist die als Ausgleichsmünze während der französischen Besatzungszeit
in der Münzstätte Braunschweig 1758 geprägte Kupfermünze mit der Bezeichnung
I DENIER auf der einen und 13 EINEN MATTIER auf der anderen Seite.
Noch heute vergeben einige
Matthias-Bruderschaften den Pilgern einen ''Matthiarius''. Er ähnelt zwar nicht
mehr den oben genannten Münzen, soll aber die Verbindung und Verehrung zum Hl.
Matthias herausstellen (Pilgerzeichen).
Quellen:
Vera Schauber/Hanns M. Schindler, Heilige und Namenspatrone, 2001,
Pattloch-Verlag München
Duden, Familiennamen, 2000, Brockhaus AG, Mannheim
www.trierpilger.de
www.wissen.de
http://de.wikipedia.org
www.vorname.de
www.kindername.de
www.firstname.de
www.beliebte-vornamen.de
www.muenzen-lexikon.de